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Unsere Geschichte - Aktueller Forschungsstand

Die Geschichte der DLRG in Vechta reicht nach neuesten Erkenntnissen viel weiter zurück, als in der Vergangenheit angenommen wurde. Während ältere Chroniken die Anfänge der organisierten Wasserrettung in der Kreisstadt oft pauschal auf das Jahr 1934 datierten, zeichnet die moderne historische Forschung heute ein wesentlich tieferes Bild.

Dieser Beitrag dokumentiert den aktuellen Forschungsstand unseres geschichtlichen Projekts. Dabei legen wir großen Wert auf wissenschaftliche Sorgfalt und unterscheiden bewusst zwischen archivalisch gesicherten Fakten und historisch begründeten Wahrscheinlichkeiten.

 


 

Die Anfänge: Erste DLRG-Wurzeln (1923–1925)

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wurde am 19. Oktober 1913 in Leipzig ins Leben gerufen. Nach den Einschnitten des Ersten Weltkriegs begann in den 1920er-Jahren die systematische Erschließung des norddeutschen Raums unter der Leitung des Oldenburger Pioniers Karl Bischof.

Chroniken des DLRG-Landesverbandes Oldenburg belegen, dass in der Phase zwischen 1923 und 1925 – sehr wahrscheinlich im Laufe des Jahres 1924 – ein erster DLRG-Stützpunkt in Vechta gemeldet wurde. In der damaligen Zeit handelte es sich bei solchen Stützpunkten noch nicht um Vereine im heutigen Sinne, sondern um kleine, informelle Außenstellen des Landesverbandes, die aus wenigen ausgebildeten Rettungsschwimmern bestanden.

 


 

Die Badeanstalt Füchtel: Wiege des Vechtaer Schwimmsports

Der geografische und praktische Ausgangspunkt des organisierten Schwimmens in Vechta war nicht, wie lange vermutet, die Tonkuhle, sondern die Badeanstalt Füchtel.

Diese am Moorbach im Bereich des Dominikanerklosters Füchtel gelegene Anlage geht auf die Initiative des Dominikaners Pater Titus Horten zurück. Er ließ dort ein erstes Schwimmbecken ausheben und einfache Umkleidekabinen errichten. Ursprünglich für den Schwimmunterricht der Schüler des Kollegs St. Thomas gedacht, wurde das Bad schnell auch für die Vechtaer Bevölkerung geöffnet und in zeitgenössischen Quellen als erste echte Badeanstalt der Stadt beschrieben.

 

Der älteste DLRG Vechta - Nachweis (1924)

In dieser Badeanstalt Füchtel ereignete sich am 2. Juli 1924 ein folgenschwerer Badeunfall: Ein Schüler geriet in Lebensgefahr und konnte im letzten Moment durch das beherzte Eingreifen des Bademeisters Bleidt gerettet werden.

Dieser Vorfall ist für unsere Geschichtsschreibung von besonderer Bedeutung. Ein zeitgenössischer Zeitungsbericht dokumentiert die offizielle Reaktion der Rettungsgesellschaft:

„Als Anerkennung erhielt der Bademeister Bleidt von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft eine künstlerisch gearbeitete Schale.“

Diese Auszeichnung ist der älteste zweifelsfreie Nachweis einer aktiven DLRG-Verbindung nach Vechta.

 

Professionelle Strukturen in den 1920ern

Historische Zeitungsrecherchen zeigen zudem, dass der Badebetrieb bereits damals straff organisiert war. Vor dem Amtsantritt von Bademeister Bleidt lag die Leitung der Badeanstalt in den Händen von Bädermeister Peter Pesch. Dieser legte sein Amt Mitte der 1920er-Jahre nieder, um sich verstärkt seinen kommunalpolitischen Aufgaben in Vechtaer Gremien zu widmen, woraufhin Bleidt seine Nachfolge antrat.

 


 

Die Geburtsstunde des Schwimmvereins Vechta (24. Mai 1932)

Ein historischer Quellenfund – ein zeitgenössischer Zeitungsbericht vom 24. Mai 1932 – beleuchtet die offizielle Vereinsgründung des ersten Schwimmvereins in Vechta im Detail. Der Bericht dokumentiert nicht nur die Ziele, sondern namentlich den vollständigen ersten Vereinsvorstand:

  • Zweck und Eigenleistung: Der Verein verschrieb sich dem Ziel, eine „Badegelegenheit für Nichtschwimmer [zu] schaffen“ . Die dafür notwendigen Erdarbeiten und Baumaßnahmen wurden von den Mitgliedern „auf dem Wege freiwilliger Arbeitsleistung“ in harter Handarbeit erbracht. Geplant war zudem die Einrichtung eines eigenen Schwimmbades speziell für Frauen. Die spätere Gründung einer Frauengruppe ist durch einen Zeitungsartikel belegt.

 

Der vollständige Gründungsvorstand von 1932:

Die historische Vorstandswahl vom Mai 1932 ergab folgende Besetzung:

  1. 1. Vorsitzender: Finanzsekretär Hahn (sehr wahrscheinlich Christoph August Hahn)

  2. 2. Vorsitzender: Zahnarzt A. Lübbe (Dr. Albert Lübbe)

  3. Schriftführer: Bankbeamter W. Pille (Wilhelm Pille)

  4. Kassierer: Bankbeamter Prante

  5. Schwimmwarte (Sportliche Leitung): Junglehrer Willenborg und der damalige Student Hermann Bröring

 


 

Die Ära Karl Theile und die Etablierung des „Bezirks Vechta“ (1933/1934)

In den Folgejahren nach der Vereinsgründung kam es zu bedeutenden personellen und sportlichen Weichenstellungen. Eine zentrale Rolle nahm dabei der DLRG-Pionier Karl Theile ein.

Historische Aufzeichnungen belegen, dass Karl Theile im Jahr 1934„erneut“ zum Schwimmwart des Vereins gewählt wurde. Diese Formulierung lässt den Schluss zu, dass er bereits im Laufe des Jahres 1933 die Nachfolge des Gründungtrios (Willenborg/Bröring) angetreten hatte und somit schon im ersten Jahr nach der Gründung der neue sportliche Leiter an der Tonkuhle war.

 

Der neue DLRG-Bezirk Vechta (1934)

Ein weiterer historischer Dokumentenfund liefert faszinierende Einblicke in die offizielle Organisationsstruktur der DLRG in den 1930er-Jahren. Der Bericht über die Jahreshauptversammlung des Landesverbandes Oldenburg unter dem Landesverbandsführer Karl Bischof dokumentiert zwei wesentliche Meilensteine:

  • Gründung des Bezirks Vechta: Im abgelaufenen Jahr (1934) ist die Arbeit stark gewachsen, und es ist offiziell ein „neuer Bezirk Vechta“ zur DLRG hinzugekommen. Dies belegt, dass Vechta zu diesem Zeitpunkt von einer einfachen Außenstelle zu einer eigenständigen regionalen Gliederung (Bezirk) heraufgestuft wurde.

  • Besonderer Dank an Karl Theile: Für das Jahr 1934 wird Karl Theile (Vechta) namentlich im Bericht erwähnt. Ihm wird zusammen mit weiteren Pionieren (wie E. Fischer, Wilhelmshaven oder J. Gerdes, Oldenburg) der „besondere Dank des Landesverbandes“ für seine „wertvolle Arbeit“ im Aufbau der DLRG ausgesprochen.

Unter seiner Regie startete ab 1934 die Schwimmausbildung der DLRG in Vechta. Karl Theile lehrte zahllosen Vechtaer Kindern an der Tonkuhle das Schwimmen.

 


Weltkriegsverluste und der Wiederaufbau (ca. 1950)

Der Zweite Weltkrieg brachte die Vereinsarbeit völlig zum Erliegen. Fast das gesamte Archivmaterial, Protokollbücher und Mitgliederlisten der Vorkriegszeit gingen in den Kriegswirren verloren oder wurden zerstört. Nach Kriegsende im Mai 1945 wurden zudem alle deutschen Vereine durch die alliierten Besatzungskräfte formal verboten.

Die mühsame Wiederbelebung der Vechtaer DLRG-Gemeinschaft setzte um 1950/1951 ein. Dass dieser Neustart extrem erfolgreich war, belegt ein archivalischer Meilenstein aus dem Folgejahr:

  • Statistik 1952: In den offiziellen Meldungen an den Landesverband Oldenburg taucht Vechta 1952 mit einer voll handlungsfähigen Gruppe von 60 Mitgliedern (35 Erwachsene, 25 Jugendliche) auf.
     


 

Chronologische Zeitleiste

Jahr

Ereignis

1913

Gründung der DLRG in Leipzig.

1923–1925

Erste Erfassung eines DLRG-Stützpunktes in Vechta (Chronik des Landesverbandes Oldenburg).

ca. 1924

Bädermeister Peter Pesch übergibt die Leitung der Badeanstalt Füchtel am Moorbach an Bademeister Bleidt.

2. Juli 1924

Lebensrettung eines Schülers durch Bademeister Bleidt in Füchtel.

1924

Die DLRG zeichnet Bademeister Bleidt für seine Rettungstat vom 2. Juli 1924 mit einer kunstvollen Schale aus (Ältester bisher entdeckter schriftlicher Beleg für DLRG-Aktivität in Vechta).

24. Mai 1932

Offizielle Gründung des Schwimmvereins Vechta. Wahl des ersten Vorstands um Hahn, Lübbe, Pille, Prante, Willenborg und Bröring.

1933

Karl Theile übernimmt das Amt des Schwimmwarts im Schwimmverein Vechta.

1934

Einrichtung des neuen DLRG- „Bezirks Vechta“ und erneute Wahl von Karl Theile zum Schwimmwart. Auszeichnung von Theile durch den Landesverband Oldenburg für wertvolle Aufbauarbeit.

1939–1945

Zweiter Weltkrieg: Zusammenbruch der Strukturen, Totalverlust fast aller Dokumente und Urkunden.

ca. 1950

Informeller Wiederaufbau der Vechtaer Rettungsschwimmer nach Aufhebung der alliierten Vereinsverbote.

1952

Erste amtliche Nachkriegsmeldung: Die DLRG-Gruppe Vechta zählt bereits wieder 60 aktive Mitglieder.

ab 1970

Ausgliederung aus der Kreisgruppe und Gründung der eigenständigen DLRG Ortsgruppe Vechta e.V. im Zuge des Hallenbadneubaus.

 


 

Aktueller Forschungsstand (Stand: Juli 2026)

Autor: Nicolas Bernhold
Historische Recherche und Quellenaufarbeitung

Quellen (Auswahl):

1. Überregionale Verbands- und Staatsarchive

  • Archiv der DLRG-Bundesebene: Auswertung der historischen Gliederungsstatistiken und Bundes-Chroniken zur Einordnung der frühen Organisationsstrukturen in Deutschland.

  • Archiv des DLRG-Landesverbandes Niedersachsen: Nutzung der offiziellen Landesverbandschroniken (u.a. der Chronik des Landesverbandes Oldenburg) zur Erfassung der ersten gemeldeten Stützpunkte im Oldenburger Land ab 1923.

  • Regionale Archive und Staatsarchive: Laufende Recherchen in regionalen Archiven (wie dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Oldenburg) zur Sichtung historischer Vereinsregister und behördlicher Nachkriegsakten.

2. Historische Presse- und Zeitungsarchive

  • Digitalisierte Pressearchive (Landesbibliothek Oldenburg): Systematische Volltextrecherche in historischen Regionalzeitungen (u.a. der Oldenburger Zeitung für Volk und Heimat sowie historischen Vorläufern der Oldenburgischen Volkszeitung).

  • Zeitgenössische Dokumente zu Einzelereignissen: Auswertung lokaler Presseberichte aus den 1920er-Jahren – darunter der Original-Zeitungsartikel zur Rettungstat und Auszeichnung des Bademeisters Bleidt (1924) in der Badeanstalt Füchtel.

3. Lokale Vereinsarchive

  • Archivbestand der DLRG Ortsgruppe Vechta e.V.: Sichtung und Aufbereitung aller lokal erhaltenen Protokollbücher, Mitgliederstatistiken (u.a. der amtlichen Nachkriegsmeldung von 1952) und Fotodokumente ab den 1970er-Jahren bis heute.

 

Historischer Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf zeitgenössischen Zeitungsarchiven, den Personenstandsregistern des Niedersächsischen Landesarchivs Oldenburg sowie den historischen Unterlagen der DLRG-Landes- und Bundesebene. Da die Forschung kontinuierlich andauert, werden neue Erkenntnisse und Quellenfunde laufend eingearbeitet.

Helfen Sie mit! Besitzen Sie noch historische Fotografien, Briefe, Urkunden oder persönliche Erinnerungsstücke zur Badeanstalt Füchtel, der Toncoole oder den Anfängen der DLRG in Vechta? Jeder kleinste Hinweis hilft uns, die Puzzleteile unserer lokalen Geschichte weiter zusammenzusetzen. Nehmen Sie gerne direkt Kontakt mit uns auf!

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